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Inhalt Zehn-Minuten-Internet Newsletter vom 31.7.2017

Im Z-M-I, dem Zehn-Minuten-Internet Newsletter berichte ich jeden Sonntag über interessante Links (heute u.a. Städte ohne Diesel? – Zur Entscheidung des VG Stuttgart zu Fahrverboten) aus dem Internet für Bürgermeister, Ratsmitglieder und Kandidaten. zmiheader_4_copy-5

In der Ausgabe vom 31.Juli geht es um die Dieselproblematik in den Innenstädten, eine Analyse zu unterschiedlichen Kita-Gebühren, eine neue Studie zur Demografie in Europa, Hilfen gegen Ärztemangel im ländlichen Raum, Ideen aus dem Süden, die Dominanz von Großstädten im digitalen Zeitalter, das Unternehmen Tesla und E-Mobilität, IT-Sicherheit in Schweden, eine City-App in Herten, Beratung von Hebammen per Videocall, Wahlhelfer bei der Bundestagswahl und um öffentliche Bücherschränke.

Kopf der Woche: Romina Barth, Oberbürgermeisterin der Stadt Torgau

Buch der Woche: „Die Welt aus den Angeln“ von Philipp Blom

Webseite der Woche: www.stimmtdas.org

Behörde der Woche: https://www.verfassungsschutz.de

Tweet der Woche: Stadt Konstanz

Zu guter Letzt: China will Nummer eins bei Künstlicher Intelligenz werden

Die aktuelle Ausgabe finden Sie hier

Der ZMI kann kostenlos hier abonniert werden.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Ihr Franz-Reinhard Habbel

 

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Wenn das Auto moralisch handelt – Selbstfahrende Fahrzeuge im Straßenverkehr der Zukunft

Das Jahr 2037. Der Straßenverkehr hat sich vollkommen verändert. Anstelle von rußenden, stinkenden PKWs fahren elektrische Shuttles auf den Straßen. Die Menschen teilen sich Autos, fahren gemeinsam mit dem Nachbarn oder Kollegen zur Arbeit oder zum Einkaufen – oder besser gesagt: sie lassen sich fahren.

Die Steuerung der Fahrzeuge wird nämlich von Computern übernommen und die Insassen können sich bequem zurücklehnen. Dadurch wird ein ganz neuer Verkehrsfluss möglich, das Leben an sich wird entspannter. So stellt es sich zumindest Elon Musk vor. Der Gründer der Firma Tesla sieht autonome Fahrzeuge als Transportmittel der nicht mehr ganz so fernen Zukunft. Wagen mit Lenkrädern werden dann allenfalls noch als Sportgerät für das Freizeitvergnügen genutzt, ähnlich wie das Pferd, das vom Transportmittel zum Haustier und Sportgefährten wurde. Bis diese Vision Realität wird, müssen allerdings noch einige Hürden genommen werden.

Gerade in Deutschland wird das Thema autonomes Fahren noch eher kritisch betrachtet.

Zwar fahren in Bad Birnbach inzwischen die ersten autonomen Elektrobusse auf den Straßen und auch in Berlin sollen ab Ende des Jahres autonome Fahrzeuge getestet werden, an eine bundesweite Ausbreitung dieser Technik ist aber noch nicht zu denken. Dies liegt zum Teil an technischen Bedenken. Um smarte Autos sicher durch die Straßen zu lenken, braucht es zuerst einmal eine smarte Fahrbahn mit vernetzten Ampeln und Sensoren im Asphalt. Die Autos müssen sich untereinander und mit dem restlichen Verkehr vernetzen können. Bisherige Tests in den USA haben gezeigt: verlässt ein Wagen die technisch präparierte Wegstrecke, ist er hilflos verloren. Das führt direkt zum zweiten großen Bedenken, der ethisch-moralischen Frage. Was passiert, wenn ein autonomes Auto mit unbekannten Situationen konfrontiert wird? Kann ein computergesteuerter Wagen im Notfall passend reagieren, oder gefährdet er Menschenleben? Bisher wird dieses Problem dadurch gelöst, dass bei jeder Fahrt verpflichtend ein Mensch mit an Bord ist, der im Notfall eingreifen kann. Die Wissenschaft arbeitet allerdings darauf hin, dass dies in Zukunft nicht mehr nötig und auch nur noch begrenzt möglich sein wird.

Deswegen wurde im letzten Jahr eine Ethikkommission gegründet – bestehend aus Wissenschaftlern, Experten der Fachrichtungen Ethik, Recht und Technik, Verkehrsexperten, Ingenieuren, Philosophen, Theologen, Informatikern, Verbraucherschützern, sowie Verbands- und Unternehmensvertretern – die diskutieren sollte, unter welchen Bedingungen autonomes Fahren moralisch vertretbar ist.

Im Juni dieses Jahres dann das Ergebnis: autonomes Fahren ist dann geboten, wenn die Maschinen in weniger Unfälle verwickelt sind, als menschliche Fahrer. Außerdem muss der Bordcomputer im Ernstfall Sachschaden vor Personenschaden stellen können. Ist ein Unfall mit Personenschaden unvermeidlich, darf nicht nach Alter, Geschlecht, Gesundheit oder anderen Merkmalen differenziert werden. Und – um im Falle eines Unfalls Versicherungsansprüche und Haftung zu klären – es muss jederzeit nachvollziehbar sein, ob ein Mensch das Steuer in der Hand gehabt hat, oder ob die Maschine allein entscheiden durfte. Außerdem müssen die Daten des Fahrzeughalters geschützt werden.

Wohl einer der interessantesten Punkte in den Leitlinien der Ethikkommission ist die Regel acht, die besagt, dass der Bordcomputer niemals in der Lage sein wird, intuitiv und menschlich zu handeln. Moral ist ein komplexes Themenfeld, dass sich nicht in für einen Computer verständliche Regeln fassen lässt. Die Denk- und Reaktionsmuster eines Menschen in einer Unfallsituation sind nicht programmierbar.

Fazit der Kommission: moralisch handelnde Maschinen – das gibt es nicht! Oder doch?

Die Kognitionswissenschaftler der Universität Osnabrück sind in einer jüngst veröffentlichten Studie zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Ethik künstlich zu programmieren ist demnach (noch) unmöglich, menschliches Verhalten in Unfallsituationen lässt sich aber nachahmen.

Die Osnabrücker haben für ihren Versuch einen anderen Weg eingeschlagen als die Experten der Ethikkommission. Zunächst wurden Versuchspersonen in einem Simulator in unterschiedliche Gefahrensituationen mit Menschen, Tieren und Objekten im Straßenverkehr gebracht. Ihre Reaktionen wurden aufgezeichnet, analysiert und statistisch aufgearbeitet. Mithilfe dieser Daten lassen sich so Regeln für den Computer aufstellen. Im Falle eines unvermeidbaren Unfalls berechnet der Bordcomputer, wie sich die statistische Mehrheit der Menschen entscheiden würde und handelt dann nach diesen Mustern. Damit entsteht eine Künstliche Intelligenz, deren Verhalten im Simulator überraschend nahe an menschliche Verhaltensmuster herankommt.

Die Ergebnisse stehen im Widerspruch zu den Leitlinien der Ethikkommission, wiederlegen diese aber nicht. Die künstliche Intelligenz ist in der Lage, in unbekannten Situationen menschlich zu handeln, denkt deswegen aber noch lange nicht moralisch. Ihre Entscheidungen sind nicht von einem Gefühl von „Richtig“ oder „Falsch“ bedingt, sondern von statistischen Daten.

Die Osnabrücker Studie zeigt jedoch, dass es möglich ist, autonome Fahrzeuge zu entwickeln, die sich genauso sicher im Straßenverkehr bewegen, wie ein menschlicher Fahrer. Damit lassen sich zumindest einige ethische Bedenken aus dem Weg räumen. Und wer weiß, vielleicht lässt sich die Menschheit wirklich in 20 Jahren von autonomen Autos durch die Innenstädte fahren. Elon Musk würde es freuen.

(Carolin Fricke)

Quellen:

https://www.uni-osnabrueck.de/presse_oeffentlichkeit/presseportal/pressemeldung/artikel/maschinen-koennen-bald-moralisches-verhalten-von-menschen-imitieren-forschungsergebnis-am-institut.html (Stand 18.07.2017)

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.): Ethik-Kommission – Automatisiertes und vernetztes Fahren. Bericht Juni 2017. www.bmvi.de. Gefunden: https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Pressemitteilungen/2017/084-dobrindt-bericht-der-ethik-kommission.html (Stand 18.07.2017).

http://www.tagesspiegel.de/berlin/projekt-der-technischen-universitaet-die-autonomen-autos-kommen-nach-berlin/19626602.html (Stand 24.07.2017).

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Inhalt Zehn-Minuten-Internet Newsletter vom 23.7.2017

Im Z-M-I, dem Zehn-Minuten-Internet Newsletter berichte ich jeden Sonntag über interessante Links (heute u.a. Digitalpaket zur Bildung und Flüchtlingskrise in den Medien) aus dem Internet für Bürgermeister, Ratsmitglieder und Kandidaten. zmiheader_4_copy-5

In der Ausgabe vom 23.Juli geht es um die Flüchtlingskrise und deren Darstellung in den Medien, die Internationalisierung der Städte, das Digitalpaket für Bildung, eine Schweizer Studie zu Feinstaubemissionen, das Tempo Schild „10 km“, einen Ausbildungsatlas in Kalletal und Vlotho, den Politik TALK Lage in Kommunen, digitale Daseinsvorsorge und Nachhaltigkeit, Chancen der Digitalisierung im ländlichen Raum, Investitionen in die Digitalisierung von einer Milliarde Euro in Baden-Württemberg, eine Erklärung zur Blockchain und das Internet der Dinge. 

Kopf der Woche: Franz Rasp, der sportlichste Bürgermeister aus Berchtesgaden

Buch der Woche: „Der vergessene Wähler: Vom Aufstieg und Fall der Volksparteien“ von Manfred Güllner

Webseite der Woche: www.odenwald-allianz.de

Startup der Woche: http://www.domoone.com/

Tweet der Woche: FDP

Zu guter Letzt: Kängurus verwirren selbstfahrende Volvos

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Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Ihr Franz-Reinhard Habbel

 

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Folge 1 Politik TALK Lage in Kommunen

In der Reihe „Politik TALK Lage in Kommunen“ werden im Gespräch Personen mit ihren Ideen, Konzepten und Umsetzungen zur Modernisierung Deutschlands vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt auf den Themen Zukunft der Städte, Digitalisierung, Infrastruktur und Kommunen. Die Talks erscheinen je nach Anlass.

In der Folge 1 geht es im Gespräch mit Patrick Schulte, Gründer von LOKASO um das Webkaufhaus in Siegen und die Zukunft des Einzelhandels im digitalen Zeitalter.

Interessenten für ein Politik TALK Gespräch sind herzlich willkommen.

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BDIP fordert Gründung einer Bundesanstalt für IT und Digitalisierung

Beim Expertenforum des Bundesverbands Deutscher Internetportale (BDIP) diskutierten Experten aus Bund, Ländern, Kommunen, Verbänden und Wirtschaft im Roten Rathaus in Berlin, was die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen für die Onlineportale von Städten und Gemeinden bedeutet. Für den Deutschen Städte- und Gemeindebund sprach Franz-Reinhard Habbel auf der Veranstaltung. 

Mit dem Onlinezugangsgesetz (OZG), dem Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen, hatte der Bund Anfang Juni per Grundgesetzänderung die Weichen gestellt, um einen einheitlichen Zugang zu digitalen Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung aufzubauen.

Innerhalb der kommenden 5 Jahre sollen alle relevanten Verwaltungsleistungen von Bund, Ländern und Kommunen online über den so genannten Portalverbund, ein einheitliches Bürgerportal, erreichbar sein. Die Betreiber von Stadtportalen und kommunalen Onlinediensten sehen mit dieser Vereinheitlichung regionale, an spezifische Bedürfnisse angepasste Angebote gefährdet.

Zentrales Thema beim 23. Expertenforum des BDIP war deshalb die Frage, welchen Herausforderungen sich die kommunalen Portale stellen müssen.

Nach der Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden des BDIP, Henning Sklorz, vom Stadtportal bremen.de referierte die Staatssekretärin für Informations- und Kommunikationstechnik in der Berliner Senatsverwaltung, Sabine Smentek zum Stand des eGovernment in Berlin und verwies vor allem auf die in letzter Zeit errungenen Erfolge, wie die Service-App, den einheitlichen Ansprechpartner oder die Online-Terminvereinbarung. Der IT Planungsrat (IT-PLR), in dem Frau Smentek Mitglied ist, habe sich als ein gutes Gremium zur Erörterung der IT in Deutschland erwiesen und sei vor allem derzeit beim Onlinezugangserleichterungsgesetz besonders wichtig. Denn hier müssen sich Bund, Länder und Kommunen bezüglich der Operationalisierung ernsthaft ins Benehmen setzen. Die über sechs Millionen Zugriffe auf das Berliner Stadtportal sah die Staatssekretärin nicht in Gefahr. Berlin.de werde nach wie vor für die Bürgerinnen und Bürger der wichtigste Einstieg zu Berliner Verwaltungsdienstleistungen bleiben. Den Portalverbund schätzte Frau Smentek daher pragmatisch ein und sieht in dem Single-Sign-on einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung zu mehr Services für Bürger und Unternehmen aber auch eine Erleichterung der Administrationsarbeit für die Beschäftigten in der Verwaltung selbst.

Für die kommunalen Spitzenverbände sprachen Franz-Reinhard Habbel vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) sowie Frau Dr. Ariane Berger vom deutschen Landkreistag (DLT). Franz-Reinhard Habbel stellte den einheitlichen Portalverbund als wichtiges Instrument für das Überwinden föderaler Grenzen dar und als wichtigen Schritt für die Digitalisierung in Deutschland. Deutschland sei beim E-Government noch immer ein Entwicklungsland, zitierte er Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Festhalten an der eigenen Homepage sei mittelfristig überflüssig, so Habbels These. „Chatbots“ besäßen das Potential, den Portalverbund überflüssig zu machen. Er kritisierte, dass die Verwaltung nicht genügend darauf abstelle, die Interessen der Nutzerinnen und Nutzer in den Fokus zu nehmen. Hier sei ein Kulturwandel zwingend erforderlich. Dass die Bundesregierung die Umstellungskosten auf den Portalverbund in Milliardenhöhe tragen werde, sei dagegen eine große Chance.

Zurückhaltend erfolgte die Einschätzung von Frau Dr. Ariane Berger, die die Position des Deutschen Landkreistag darstellte. Der im Onlinezugangsverbesserungsgesetz enthaltene Begriff der „IT Komponenten“ berge viel Raum für Gestaltungsfreiheit. Daher sei es sehr wichtig, diesen Raum im Benehmen mit allen Instanzen zwischen Bund, Ländern und Kommunen zu gestalten. Die Kommunen dürften dabei im Rahmen des einheitlichen Portalverbunds nicht zum Backoffice der Bundesverwaltung werden, sondern seien als Partner auf Augenhöhe zu betrachten. Gerade, da die Kommunen die Hoheit über die Fachverfahren haben, müssten diese frühzeitig eingebunden werden, um Innovationen voranzutreiben. Die Nutzer werden nach Einschätzung von Frau Dr. Berger auch in Zukunft nach ihren Anliegen googeln, daher sei es für sie eher zweitrangig, welche Verwaltungsinstanz letztlich Anbieter des Bürgerservices sei. Trotzdem hätten der Portalverbund bzw. die damit verbundenen Prozesse in der Tat das Potential, wirkliche Erneuerer der Verwaltung zu sein.

Die zwischengeschalteten Diskussionsforen wurden von den BDIP-Vorstandsmitgliedern George Wyrwoll und Rainer Appelt moderiert. Im Austausch der Teilnehmer des Expertenforums mit den Referenten wurde vielfach angemerkt, dass einheitliche Bundesstandards nicht mit der Verwaltungskultur und den organisatorischen Prozessen in den Kommunen kollidieren dürften. Zudem wurden Monopolstrukturen befürchtet, die sich als Hemmnis für bürgernahe Innovation erweisen könnten. Begrüßt wurde dagegen ein fairer Wettbewerb um die besten Fachverfahren und Lösungen.

Ernst Bürger, stellvertretender Abteilungsleiter für Verwaltungsmodernisierung im Bundesministerium des Inneren, erwartet, dass der so genannte Portalverbund die größte Digitalisierungswelle im Bereich der Verwaltungskooperation auslösen werde. In seiner Präsentation mit dem Titel „Der Portalverbund macht Deutschland zukunftssicher“ unterstrich Bürger, dass der Portalverbund technisch nicht etwas total Neues sei, und auch nicht als Zentralisierungsbemühen des Bundes gesehen werden dürfe. Der Portalverbund sei vielmehr ein Partnerschaftsverbund. Mit nur drei Klicks sollen die Bürgerinnen und Bürger einen Einstieg in Verwaltungsleistungen erhalten. Dazu werde der Bund im Spätsommer 2017 bereits Dienstleistungen des Bundes in einem Serviceportal anbieten. Es gelte, Deutschland in fünf Jahren im europäischen Vergleich digital auch im Bereich der Verwaltung nach vorne zu bringen. Dass die kommunalen Spitzenverbände im IT-Planungsrat bislang ohne direkte Stimme vertreten seien, sollte geändert werden. Der Portalverbund sei nicht als Zentralisierungsvorhaben oder Marktverdrängungssystem der Fachverfahren konzipiert, so Bürger. Der IT-Planungsrat werde einen Kriterienkatalog der Interoperabilität für Fachverfahren erstellen, so dass etablierte und gute Fachverfahren auch in Zukunft weiter genutzt werden können.

Der BDIP fordert in diesem Zusammenhang eine „kommunale Bundesanstalt für IT und Digitalisierung“ als nationale Koordinierungsstelle für die eGovernment-Aktivitäten. Die einzelnen Agenden von Bund, Ländern und Kommunen müssten besser verzahnt werden, so das Fazit des BDIP. So sei beispielsweise das Elterngeld-Projekt nicht in den Portalverbund eingebunden und unterstütze auch keine Servicekonten. Damit würden aus einem einheitlichen Portalverbund wieder Insellösungen, warnt der BDIP.

Einen Blick in die kommunale Anwendungspraxis ermöglichten Dietmar Weichler von der Stadt Halle (Saale) und Frau Elke Brendgen vom IT-Dienstleister IT Consult, einer 100%igen Tochter der Stadtwerke Halle, die die Strategie hinter dem Serviceportal der Stadt Halle vorstellten. Nach einem Vergleich verschiedener Modelle und Ansätze entscheid man sich in Halle für eine so genannte Datendrehscheibe als favorisierte Lösung. Problemlos ließen sich beispielsweise verschiedene Komponenten für ePayment und Authentifizierung einbinden. Dagegen verlaufe die Realisierung des Servicekontos aufwändiger. Hierzu sind globale Zertifikate erforderlich, um Daten auslesen und bearbeiten zu können. Bemängelt wurde in diesem Zusammengang, dass die eID Funktion des neuen Personalausweises weiterhin von viel zu wenigen Bürgern freigeschaltet sei, was die Identifikation bei Servicekonten und Verwaltungsdienstleistungen erschwere.

Frank Jorga, von der FJD AG, stellte als Formularsoftwareanbieter das FIM Projekt in Niedersachsen vor. FIM war bis zum 31. Dezember 2016 ein Steuerungsprojekt des IT-Planungsrates (IT-PLR), das u.a. durch das Bundesministerium des Innern geleitet wurde und ist seit dem 1. Januar 2017 nun eine eigene Anwendung des IT-Planungsrates. Die FJD unterstützt das Projekt FIM „Föderales Informationsmanagement“ in Niedersachsen mit dem Ziel, einheitliche Informationen zu Verwaltungsverfahren und -leistungen über alle Verwaltungsebenen hinweg zu schaffen und beispielsweise den Leistungskatalog (LeiKa) der öffentlichen Verwaltung verschiedenen Akteuren gleichberechtigt zugänglich zu machen. Das sei nicht zuvörderst eine Technikdebatte, so Jorga, sondern eine Frage der Gestaltung moderner Arbeitsprozesse.

Hieran knüpfte auch Carsten Brumme, Leiter des Kompetenzteams für das Projekt „i-Kfz“ Brandenburg vom Straßenverkehrsamt des Landkreis Dahme-Spreewald an. Mit i-Kfz soll eine zentrale internetbasierte Fahrzeugzulassung in Brandenburg realisiert werden. Bislang werde mit der Außerbetriebsetzung von KFZ nur eine kleine Gruppe erreicht, da die Bürger statistisch gesehen nur alle 5 Jahre zur Zulassungsstelle kommen. Allerdings sei auch i-Kfz ein konsequenter Schritt, Fachverfahren zu digitalisieren. In Zukunft werde es für die Bürgerinnen und Bürger ganz normal sein, auch diese Verwaltungsvorgänge online erledigen zu können, so Brumme.

Aus Sicht des BDIP zeigte sich auch in den Beiträgen beim Expertenforum wieder sehr eindrucksvoll, dass einige Kommunen bei der Digitalisierung von Bürgerservices in bestimmten Fachbereichen schon sehr erfolgreich sind. Dabei gelte es, die Vielfalt von Angeboten zu bewahren. Erfolgreiche Best-Practices müssten besser als bisher ausgetauscht werden, damit sie auch anderswo realisiert werden können. Die Digitalisierung könne die Divergenzen zwischen Metropolen und dem ländlichen Räumen verringern. Dieses Zukunftspotential müsse aus Sicht des BDIP konsequent genutzt werden.

Mit seinem Kaminabend-Veranstaltungsformat plant der BDIP im November daher noch einmal thematisch an den Portalverbund anzuknüpfen [GT140717XIP].

Weitere Informationen zum BDIP und seinen Veranstaltungen sind über die Webseite des Verbands abrufbar.

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Inhalt Zehn-Minuten-Internet Newsletter vom 16.7.2017

Im Z-M-I, dem Zehn-Minuten-Internet Newsletter berichte ich jeden Sonntag über interessante Links (heute u.a. zu steigenden Schülerzahlen) aus dem Internet für Bürgermeister, Ratsmitglieder und Kandidaten. zmiheader_4_copy-5

In der Ausgabe vom 16.Juli geht es eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zu steigenden Schülerzahlen, das gemeinsame Verwaltungsportal von Bund, Ländern und Kommunen, die Prognose der Kommunalfinanzen bis 2020, um den erfolgreichen Start von Crowdfunding-Plattformen, die Wettbürosteuer in Dortmund, ein digitales Gesundheitskonto, eine neues Reise-Tool für Städte von Facebook, politische Propaganda mit Social-Bots, einen Kneipenbus in Sachsen-Anhalt, rollstuhlgerechte Zugänge von Infrastrukturen, den Ruf deutscher Amtsstuben, Milliarden-Hilfen für Kommunen und mehr Videoüberwachung. 

Kopf der Woche: Hans-Josef Vogel, Bürgermeister der Stadt Arnsberg wird neuer Regierungspräsident

Buch der Woche: „Wir schaffen das alleine!“ von Andreas Marquart und Philipp Bagus

Behörde der Woche: Beschaffungsamt des Bundesministerium des Innern

Tweet der Woche: Landkreis Osterholz

Zu guter Letzt: Diese Stadtutopien sind faszinierend, radikal und gigantisch

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Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Ihr Franz-Reinhard Habbel

 

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Düren: Leerstehendes Ladenlokal wird Coworking Space

http://www.co-space-dueren.de/

 

Leerstehende Ladenlokale sind ein Schandfleck in der Innenstadt. Damit der unattraktive Leerstand nicht zum Dauerzustand wird, heißt es handeln. Und wenn sich kein neuer Mieter findet, muss man sich selbst kreative Lösungen ausdenken. Genauso passiert es in Düren. Unter dem Namen Co-Space.DN stellt die Stadt für zwei Wochen ein leerstehendes Schuhhaus als Coworking Space zur Verfügung.

Vom 8 bis zum 21 Juli werden die Räume von Freiberuflern, Selbstständigen und Kleinunternehmern als Büro und Begegnungsstätte genutzt. Neben gratis WLAN, einer Kaffeemaschine und 20 kostenlosen Arbeitsplätzen wird es dort auch einen Besprechungsbereich geben, in dem sich die Jungunternehmer aus verschiedenen Branchen über ihre Geschäftsmodelle austauschen und neue Kontakte knüpfen können. Auch die lokale Wirtschaft ist eingeladen, sich mit den Startups zu beraten und vielleicht sogar gemeinsame Projekte anzustoßen.

http://www.dueren-magazin.de/nachrichten/8282-dueren-co-space-dn-coworking-im-ehemaligen-schuhhaus

 

Die Idee für das Projekt Coworking Space stammt von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Düren (WIN.DN). Ziel ist es, kreatives und flexibles Arbeiten, wie es in Zeiten der Digitalisierung benötigt wird, zu ermöglichen und dabei auszuloten, in welchen Bereichen der lokalen Wirtschaft noch Verbesserungsbedarf herrscht. Gleichzeitig ist es so möglich, ein leerstehendes Ladenlokal, wie es sie in vielen deutschen Städten gibt, sinnvoll zu verwenden. Für die Jungunternehmer lohnt sich die kostenlose Alternative zum Büro auf jeden Fall. Auch die flexible zeitliche Nutzung der Arbeitsplätze erleichtert ihnen den Einstieg in die Selbstständigkeit.

Neben dem Projekt Co-Space.DN wird es auch zwei Projektwochen geben, in denen die Startups Workshops zum Thema Social Media und Marketing belegen können, aber auch zum Thema Digitalisierung und zur Nutzung leerstehender Ladenlokale. Events zur Netzwerkförderung für Jungunternehmer runden das Gesamtbild ab.

Der Coworking Space in Düren bleibt erst einmal auf zwei Wochen beschränkt. Er dient als Pilotversuch für ein längerfristiges Projekt: das Innovations-und Gründerzentrum Düren.

 

(Carolin Fricke)