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Ländlicher Raum wird von Telemedizin profitieren

Kurpark Brilon Foto: Habbel

 

Der Deutsche Ärztetag hat jetzt durch eine wichtige Entscheidung den Weg zur Telemedizin geebnet. Ärzte dürfen künftig ihre Patienten auch ausschließlich via Telefon, Skype oder Chat behandeln.

Das beschlossen die Delegierten auf ihrer Jahrestagung in Erfurt. Die Grenzen sind allerdings eng gesetzt. Nur im Einzelfall soll eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über digitale Medien stattfinden. Bisher war es notwendig, vor einer Fernbehandlung mindestens einen realen Kontakt zum Arzt zu haben. In dem jetzt gefassten Beschluss heißt es „Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt (…) gewahrt wird“. Im nächsten Schritt müssen die Landesärztekammern ihre Berufsordnungen aktualisieren und diese von den Landesministerien genehmigt werden. Noch ist nicht klar, ob auch Rezepte im Rahmen einer Onlinesprechstunde ausgestellt werden können.

Der ländliche Raum – hier leben in Deutschland mehr als die Hälfte der Menschen – wird von der Neuregelung profitieren

Immer mehr Landärzte verlassen die Region, Nachwuchs ist nur schwierig zu bekommen. Weite Wege der Patienten bzw. unzureichende Verkehrsverbindungen zu den Ärzten erschweren zusätzlich die medizinische Versorgung. Online-Sprechstunden werden die Wartezeiten verringern. Seit Anfang des Jahres gibt es bereits in Baden-Württemberg die Möglichkeit, Online-Sprechstunden durchzuführen. Über die Webseite TeleClinic.com können Ärzte rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erreicht werden. Schon seit längerer Zeit gibt es einen solchen Service in der Schweiz.

Der „Dr.-Skype“ kann natürlich nur dann helfen, wenn in der Region auch eine auskömmliche Breitbandverbindung existiert. Dort wo das nicht der Fall ist, wird der Druck auf notwendige Investitionen jetzt größer. Die Kommunen sollten in ihren Digitalisierungsstrategien den Bereich der medizinische Versorgung mit hoher Priorität versehen. Die Bevölkerung wird von der Telemedizin profitieren. Die Gesundheit ist ein wichtiges Gut.

Sorge haben die deutschen Ärzte allerdings vor einem zunehmenden kommerziellen Angebot ausländischer Dienstleister. „Dr. Ed“ aus Großbritannien ist hier ein beredtes Beispiel. Die Digitalisierung wird auch zur Transformation des Gesundheitswesen beitragen. Die Zukunft des öffentlichen Gesundheitswesen als Teil der Daseinsvorsorge steht vor neuen Herausforderungen. Unternehmen, wie beispielsweise Apple, investieren Milliarden in die Forschung neuer Dienstangebote gerade im Bereich Gesundheit und E-Health. Die Apple Watch wird künftig Live-Gesundheitsdaten nutzen und daraus u.a. individuelle Nutzenprofile für Träger solcher Geräte anbieten. Der Markt eines personalisierten Gesundheitsmonitoring ist gigantisch. Das öffentliche Gesundheitswesen steht dann in weltweiter Konkurrenz. Um so notwendiger ist, jetzt die notwendigen Modernisierungs- und Reformschritte einzuleiten und neue Technologien zu nutzen. Der Beschluss des Ärztetages könnte eine dabei zu einer wichtigen Wegmarkierung werden.

Franz-Reinhard Habbel

Bis Ende 2017 war ich DStGB-Sprecher und Leiter des Innovators Club, halte heute Vorträge und schreibe über Veränderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Staat durch Digitalisierung, Globalisierung und Urbanisierung.

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