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Kolumne: Von Telefonzellen, Akustikkopplern und Tretautos

Foto: Habbel

An dieser Stelle (Bild) stand viele Jahre eine Telefonzelle. Urlauber im belgischen Badeort de Haan nutzten sie, um mit ihrer Familie und mit Freunden zu telefonieren. 1987, vor 30 Jahren gab es keine Smartphones. Die Festnetztelefonie war der Standard. Telefonzellen prägten das Stadtbild. Heute steht an dieser Stelle ein temporäres Kunstwerk. Coq sur Mer.

Vor 30 Jahren habe ich von der Telefonzelle mit einem Akustikkoppler mit 300 Baud! Übertragungsrate Daten übertragen. Der Telefonhörer wurde in zwei Muscheln des Modems geklemmt. Das Modem war mit dem Rechner verbunden. Dann wurde eine Telefonnummer angewählt. Ein modulierter Ton meldete sich und starte den Transferprozess. Allerdings waren noch Befehle auf dem Rechner notwendig. Der Provider hieß CompuServe, war ein US-Unternehmen und einer der ersten Maildienstleister. Der NW Städte- und Gemeindebund- mein damaliger Arbeitgeber –  war deutschlandweit der erste Verband, der ein lokales Netzwerk hatte und Daten senden und empfangen konnte. Das war damals revolutionär und brachte mir eine zeitliche Unabhängigkeit vom Arbeitsort. Der eine oder andere Telefonkunde staunte nicht schlecht, wenn ich meinen klobigen und schweren Laptop in der Telefonzelle mit dem Telefonnetz verband. Leider musste er nun warten, bis die Texte übertragen wurden. Heute, 30 Jahre später gibt es in diesem Ort keine öffentlichen Telefonzellen mehr, fast jede Ferienwohnung verfügt über eine WLAN Verbindung. Diesen Text schreibe ich auf einem Smartphone im Café und in wenigen Minuten ist er im Netz und damit, wo auch immer auf der Welt, lesbar.

 

Es heißt so schön, die Digitalisierung ändert alles. Das stimmt.

Aber es gibt Ausnahmen. Eltern kennen sie. Dieses (Bild), ein „selbstfahrendes Auto“ für Kinder – es wird von Erwachsenen geschoben – gibt es noch immer.

Foto: Habbel

Es besteht aus Metall und dürfte fast 50 Jahre alt sein. Die Kinder haben daran große Freude. Aber nichts ist endgültig. Vielleicht gibt es in 30 Jahren diese kleinen, von den Kindern begehrten Minifahrzeuge auch batteriebetrieben als automatisch gesteuertes Fahrzeug. Die Eltern sitzen dann am Strand im Liegestuhl und  beobachten die Strecke ihrer Kinder. Denkbar, aber wohl nicht wünschenswert, oder? Wer weiß es, ob nicht auch das Füttern von Kutschpferden vor 100 Jahren Kindern Spaß gemacht hat. Die Veränderungen die vor uns liegen sind gewaltig, darauf müssen wir uns einlassen. Veränderung ist das Normale, nicht die Stabilität.

Franz-Reinhard Habbel

Ich bin DStGB-Sprecher und Leiter des Innovators Club, halte Vorträge und schreibe über Veränderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Staat durch Digitalisierung, Globalisierung und Urbanisierung.

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